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Festakt: Oberbalbach feierte seinen 750. Geburtstag mit vielen Gästen und einem bunten, vierstündigen Programm "Ein Dorf mit Herz und Hand"

"Ein Dorf mit Herz und Hand"

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Landrat Frank, Bürgermeister Maertens und Minister Reinhart
gaben beim Festakt ein Ständchen zum Besten


OBERBALBACH. "Ludwig von Schüpf beurkundet, dass Hermann von Oberbalbach einen Teil des von ihm zu Lehen gehenden Zehnten zu Gommersdorf dem Kloster Schöntal verkauft hat": So lautet der aus dem Lateinischen übersetzte Text der als Original im Staatsarchiv Ludwigsburg befindlichen Urkunde vom 12. Januar 1260. Dies stellt gleichzeitig die erste offizielle Erwähnung des Namens Oberbalbach dar - Grund genug für den knapp 680 Einwohner zählenden Stadtteil von Lauda-Königshofen, per Festakt 750 Jahre zu feiern. Rund 350 Besucher drängten sich dabei am Samstagabend in die überfüllte Turnhalle, um hier eine vierstündige Jubiläums-Veranstaltung mitzuerleben, die ob ihres abwechslungsreichen Programmes alle begeisterte. Gut besuchter Festgottesdienst

Vorausgegangen war den Feierlichkeiten bereits ein ebenso gut besuchter Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg, zelebriert von Pater Gebhard Maulhardt vom Augustiner-Kloster Messelhausen, der in seiner Predigt die Bedeutung jedes Einzelnen hervorhob. Es seien nämlich die Menschen, die einen Ort prägten, erklärte der Geistliche, eine Ansicht, die später auch bei den Reden des Öfteren durchklang. Den Reigen der Wortbeiträge eröffnete hier bei Moderation durch Stadtrat Christian-Andreas Strube, der souverän durch den Ablauf führte, Ortsvorsteher Joachim Markert, dessen Ehefrau Regina seitens des Ortschaftsrates mit einem Blumengebinde bedacht wurde. Lange Vorbereitung

Etwa zwei Jahre lang habe man sich in Oberbalbach auf dieses Jubiläum vorbereitet, wusste Markert, der an die gemeinsame Silvesterfeier und das Neujahrsschießen als Auftakt erinnerte, ehe er die 750. Wiederkehr der ersten urkundlichen Benennung als den willkommenen Anlass betrachtete, Rück- und Ausblick zu halten. Während Kreisarchivarin Claudia Wieland in ihrem Festvortrag (siehe dazu eigenen Bericht) die wechselvolle geschichtliche Vergangenheit bis um 1900 aufzeige, befasse er sich mit dem zurückliegenden Jahrhundert, erläuterte der Ortsvorsteher, der darauf hinwies, dass auch Orte eine Biografie besäßen, die sie unverwechselbar und zu etwas Besonderem machten.

Kreisarchivarin Wieland mit Ortsvorsteher Markert

Dabei bedeute eine erstmalige Erwähnung keineswegs ein Geburtsdatum, sondern eher einen Zufall durch ein bis heute vorhandenes Schriftstück, betonte Joachim Markert, der daraufhin über das 1938 veröffentlichte Buch des Oberbalbacher Ministerialrates Alois Kimmelmann, quasi fortgeschrieben von seiner Großnichte Barbara Frank-Wohlgemuth, den Bogen spannte von der Zeit der ersten Besiedlung bis zu den immer noch prägenden Eigenschaften der hiesigen Bewohner. Während man so auf Grund der angrenzenden Volksstämme von den Badenern das Lebensgefühl und einen Schuss Gelassenheit übernommen habe, von den Württembergern den Fleiß und die Sparsamkeit, rühre von den Bayern her das typische Selbstbewusstsein sowie eine gewisse Hartnäckigkeit.

"Diese Aufzählung benennt die Stärken unserer Gemeinde", bekräftigte Markert, der anmerkte, dass man mit dieser Einstellung die vielen Umbrüche der bewegten Vergangenheit gemeistert habe. Der Sprecher des Ortschaftsrates, der dann tief in das Geschehen vor 100 Jahren eintauchte, listete schließlich nacheinander die jeweiligen Gründungen von Vereinen und Organisationen auf, bevor er den Einschnitt der 1975 erfolgten Eingemeindung in die Stadt Lauda-Königshofen als markant herausstellte. Zahlreiche Projekte seien seitdem zur Verbesserung der Lebensqualität umgesetzt worden, unterstrich Markert, der die geflossenen erheblichen Mittel streifte, um danach festzuhalten, dass die Oberbalbacher Bürger in den zurückliegenden sechs Jahren insgesamt fast 20 000 ehrenamtliche Stunden geleistet hätten.

Nachdem noch einige Besonderheiten und diverse Auszeichnungen zur Sprache gekommen waren, dies stets unter dem Motto "Leben auf dem Land - Oberbalbach, ein Dorf mit Herz und Hand", wies Prof. Dr. Wolfgang Reinhart darauf hin, dass in dieser Gemeinde, in der man zu feiern verstehe, ein ausgesprochen "guter Geist" herrsche. Man könne stolz auf dieses Jubiläum sein, bestätigte der baden-württembergische Minister für Bundes-, Europa- und internationale Angelegenheiten, der das bürgerschaftliche Engagement in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückte. Somit verfüge man über eine Wohn- und Lebensqualität, die er als beispielhaft bezeichne, führte Dr. Reinhart an, der natürlich auch nicht vergaß, die im vergangenen Jahrzehnt vom Land bewilligte Summe von 17 Millionen Euro zu erwähnen.

"Dies ist ein denkwürdiger Tag für Oberbalbach und Lauda-Königshofen", verdeutlichte im Anschluss Bürgermeister Thomas Maertens, der zu bedenken gab, dass keiner für sich allein lebe. Deshalb feierten hier in erster Linie Menschen, hob das Stadtoberhaupt hervor, das den Begriff Heimat ausführlich definierte. Mit der in diesem Umfeld ganz speziellen Art des Zusammenhaltes werde man auch die weiteren Herausforderungen meistern, zeigte sich Maertens sicher, der dann noch mit großer Freude das soeben zugesagte "Geschenk" des Landrates quasi auspackte. Der Main-Tauber-Kreis werde sich mit seinem Anteil am Ausbau des lange gewünschten Radweges nach Unterbalbach beteiligen, verkündete der Rathaus-Chef, der zusicherte, dass die Kommune die andere Hälfte der Kosten übernehme. Gelebte Gemeinschaft

Viel Beifall begleitete deshalb anschließend Landrat Reinhard Frank, als er nach der Übergabe eines Gutscheines für das Kloster Bronnbach an den Ortschaftsrat die "gelebte Gemeinschaft" in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte. Das Gegenmodell zu leider oftmals vorherrschenden Egozentrik bilde Oberbalbach, erwähnte Frank, der anmerkte, dass man hier nicht isoliert die Zeit verbringe, sondern bewusst miteinander umgehe. "Aus diesem Dorf kommt nicht nur die Musik", attestierte Reinhard Frank, der die Bewohner aufforderte, den bisher eingeschlagenen Weg weiterhin beizubehalten.

Nach der Verlosung von drei Rundflügen über das Taubertal, wobei die "Glücksfee" Elke Nixdorf-Maertens die Gewinner Stephanie Völkner, Peter Geiger und Christa Beck gezogen hatte, machte in seinen Schlussworten, in denen er viele Bürger für die Vorbereitung und Durchführung dieses Festaktes namentlich würdigte, dann Ortsvorsteher Joachim Markert darauf aufmerksam, dass man ja erst am Anfang des Jubiläumsjahres stehe. "Viele Veranstaltungen werden in den nächsten Monaten folgen."


Bevor nach herrlichen Chören des Gesangvereines Eintracht letztlich alle lauthals in das „Badner-Lied“ einstimmten, glänzten Mitglieder der Jungen Union, angekündigt von Marco Hess, noch mit einem eigens für die Veranstaltung von Silke Mittnacht geschriebenen Theaterstück zum Ortspatron. Neben ihr überzeugten dabei unter dem Titel „Der heilige Georg“ ebenso die Nachwuchs-Schauspieler Christian und Cardine Ernst, Katharina, Tobias und Veronika Ruf sowie Simon und Jonas Markert.


Eigens für die Veranstaltung hat Silke Mittnacht ein Theaterstück zum Ortspatron geschrieben. Neben ihr überzeugten dabei unter dem Titel „Der heilige Georg“ ebenso die Nachwuchs-Schauspieler Christian und Cardine Ernst, Katharina, Tobias und Veronika Ruf sowie Simon und Jonas Markert.

Bericht: Herbert Bickel

Fränkische Nachrichten vom 22.03.2010 

>> Den Bericht zum Festakt gibt es >Hier< zum Download (als .pdf) 

 
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